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Ausführlichere Beschreibung der Aktivierenden Befragung und Bürgerausstellung und Literaturhinweise


Die Aktivierende Befragung und Bürgerausstellung wurde zunächst als Bürgerbefragung und Bürgerausstellung zur Beteiligung im Bereich der Stadtplanung entwickelt. Sie verbindet als Beteiligungsmethode partizipative und ästhetische Elemente, um unterschiedliche Personen, Akteure und Gruppenrepräsentanten mit ihrer persönlichen Perspektiven, ihren Haltungen und Wünschen visuell greifbar und erlebbar zu machen.

Aktivierende Befragung und BürgerausstellungGrundgedanke des Verfahrens ist es, Einstellungen, Ziele und Motivationen von Menschen unterschiedlicher Gruppen zu präsentieren und einen verständnisvollen, öffentlichen Dialog darüber zu ermöglichen. Pläne, Veränderungsbedarf, Veränderungsprozesse, Aktivitäten, aber auch Konflikte können mit Hilfe dieser Methode sichtbar gemacht werden und eine konstruktive, weiterführende Arbeit unterstützen.

Die Aktivierende Befragung und Bürgerausstellung beinhaltet folgende Schritte:
Der erste Schritt umfasst die Auswahl und Konkretisierung des Themas.
Daran schließt sich die Auswahl der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner für die qualitativen Interviews als zweiter Schritt an. Hier werden möglichst unterschiedliche Akteure ausgewählt, um die Vielfalt der Sichtweisen zu erfassen.

In einem weiteren dritten Schritt werden die Interviews geführt und relevante Motive fotografiert. Die qualitativen Interviews sind so konzipiert, dass die Interviewten ausführlich ihre subjektive Sichtweise und Perspektive auf das Thema schildern können. Die Interviewten berichten in einer persönlichen Weise über ihre Haltung zum Thema, ihr Engagement, die Schwierigkeiten und Hoffnungen. Gleichzeitig werden – ihr Einverständnis vorausgesetzt – die Interviewten fotografiert. Zusätzlich können weitere, inhaltlich relevante Motive aus dem Umfeld der Beteiligten auch nach deren Vorgaben gemacht werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Interviewten auch selbst fotografieren zu lassen.

Aktivierende Befragung und BürgerausstellungDer vierte Schritt besteht in der Auswertung der entstandenen Interviews. Anhand von Zitaten wird die Perspektive der einzelnen Interviewten prägnant zusammengefasst. Die Ausstellungsvorbereitung als fünfter Schritt beinhaltet die Kombination der Texte und Bildmotive und ihre Verbindung zu Ausstellungsexponaten. Diese Exponate bieten plastisch eine neue, lebendige Sichtweise auf die Thematik.

Eine entscheidende Rolle nimmt als sechster Schritt die Ausstellungseröffnung ein. Hier werden alle beteiligten Interessengruppen und die interessierte Öffentlichkeit eingeladen und treten in Diskurs. Die Ausstellung ist für den Dialog zwischen den Interessengruppen und die Diskussion sehr förderlich. Sie bereichert diskursive Beteiligungsprozesse um visuelle Argumente, bietet den Gruppen zusätzliche, neue und ungewohnte Formen oder Rollen der Partizipation und schafft auf diese Weise ein ergänzendes Forum der Beteiligung. Die Motivation der Beteiligten, zur Eröffnung zu kommen, ist hoch, da sie sich selbst in der Ausstellung sehen. Auf diese Weise hat die Ausstellung nicht nur eine große Öffentlichkeitswirkung, sondern auch die Möglichkeit, den Dialog zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen anzustoßen. Abstrakte Vorgänge bekommen ein Gesicht. Der Fächer möglicher Sichtweisen ermöglicht die eigene Positionierung des Betrachters.

Eine Stärke des Konzeptes ist die ästhetische und emotionale Kraft der Bilder und der zugehörigen Zitate. Die Ausstellung kann mit sparsamen Mitteln durchgeführt werden, sollte allerdings immer folgende Bedingungen berücksichtigen: Sie sollte „vor Ort“ stattfinden und die Exponate sollten Bilder, Texte (und Ton) kombinieren, wodurch die Darstellung der Innensichten an Komplexität gewinnt.

[buergerausstell.jpg]Die Ausstellung kann durch mehrere Orte, Unternehmen, Filialen, Abteilungen wandern und damit die Diskussion über das Thema vervielfältigen und zur Verstärkung der Auseinandersetzung und konstruktiven Fortsetzung von Diskussions- und Ent- scheidungsprozessen beitragen.
Weiterhin lassen sich die individuellen Geschichten auf Basis der Ausstellungsplakate nach Projektende auch für eine Broschüre bzw.
einen Bildband und eine Webseite nutzen.

Literaturhinweise:

Böhm, Birgit; Legewie, Heiner und Dienel, Hans-Liudger (2008): Die Bürgerausstellung: Eine Kombination sozialwissenschaftlicher, partizipativer und künstlerischer Elemente [70 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(2), Art. 33

Schophaus, M. & Dienel, H.-L. (2002): Bürgerausstellung ?? ein neues Beteiligungsverfahren für die Stadtplanung. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Vol. 15, No. 2, 90-96.

Schophaus, M. & Dienel, H.-L. (2002): Citizens' Exhibition – a new form of public participation for urban planning

Schophaus, M. & Dienel, H.-L. (2003): Die Bürgerausstellung. In: Astrid Ley/Ludwig Weitz (Hg.): Praxis Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhandbuch. S. 82-90. Bonn: Verlag Stiftung Mitarbeit.

Schophaus, M. & Dienel, H.-L. (2004): Bürgerausstellung. Ein neues Beteiligungsverfahren für die Stadtplanung. In: Heiner Legewie (Hg.): Erzählungen und Bilder der Stadt. Lebensqualität und Tourismus in historischen Vierteln von Florenz und Berlin. S. 27-37. Berlin: TU-Verlag.

Lüttringhaus, M., Richers, Hille (2003). Handbuch Aktivierende Befragung. Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis. Bonn: Stiftung Mitarbeit.