akademie für partizipative methoden

25.10.2016
Projekt "Bürgerbus Homberg (Efze)"
Bürgerbus in Homberg (Efze) mit acht Fahrgästen erfolgreich gestartet

Große Freude auf dem Marktplatz in Homberg (Efze) am Donnerstag, den 20. Oktober 2016. V. li. n. re.: Dr. Holger Jansen, nexus Institut und fachlicher Projektberater, Herbert Wassmann, Dirk Schumacher, Dr. Christof Eichert, Jana Edelmann-Rauthe, Dr. Gerhard Grebe, Karl-Ernst Paul, Dr. Nico Ritz, Manfred Wachsmuth und Joachim Eisenberg. Foto: Dittmer/Stadt Homberg (Efze)

Mit acht Fahrgästen ist der neue Bürgerbus in Homberg (Efze) am 20. Oktober 2016 erfolgreich gestartet. Die erste Fahrt führte Fahrer Hans-Dieter Wagner (69) aus der Homberger Kernstadt nach Hülsa. Dort warteten Friedhelm und Rosmarie Krause (beide 78) auf das Fahrzeug. Mit dabei waren ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks, Dirk Schumacher (63) als Sprecher der Homberger Bürgerbusgruppe und aus dem nexus Institut Bürgerbusprojektberater Dr. Holger Jansen (48). "Schön, dass es den Bürgerbus jetzt gibt", sagte Krause. Seine Frau erhielt aus den Händen von Fahrer Hans-Dieter Wagner einen Blumenstrauß. Ein kurzes Gespräch – kurz danach sitzen die beiden Fahrgäste sicher im Bürgerbus auf dem Weg in die Kernstadt.

Für diesen Tag hat die Bürgerbusgruppe unter Leitung von Dirk Schumacher in den letzten Monaten intensiv gearbeitet. Begleitet und aktiv beraten wurden die Aktiven von Dr. Holger Jansen, der schon rund 40 Bürgerbusse entwickelt hat. "Auch für uns ist es schön, wenn die Leistung auf der Straße ist und die Verbesserung bei den Menschen ankommt", betonte Jansen. Glückwünsche und Dank an die rund 30 Personen starke Gruppe überbrachten auch der Homberger Bürgermeister Dr. Nico Ritz, Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung und Dr. Gerhard Grebe, Vorsitzender des Vereins Bürger für Homberg. "Alle, die an dem Projekt Bürgerbus Homberg mitgearbeitet haben, verdienen unseren Dank und unseren Respekt", betonten Nico Ritz, Christof Eichert und Gerhard Grebe gemeinsam. "Ich freue mich, dass mit unserer Förderung dieses sehr gute Ergebnis erzielt werden konnte", ergänzt Dr. Christof Eichert für die Herbert Quandt-Stiftung.

Die Herbert Quandt-Stiftung übernahm die Projektförderung in Höhe von 30.000 Euro. Die Entwicklungsphase finanzierten die Landesstiftung "Miteinander in Hessen" und die Herbert Quandt-Stiftung noch gemeinsam, die jetzige Realisierungsphase übernahm die Herbert Quandt-Stiftung in alleiniger Verantwortung. "Für 24.000 Euro haben wir ein Fahrzeug bei einem örtlichen Autohändler gekauft. Mit den weiteren Mitteln ist das Projekt für die nächsten Jahre finanziell gesichert", betont Dirk Schumacher als Sprecher des Lenkungsteams Bürgerbus. So nennt sich die Gruppe, die nach einer Satzungsergänzung des Vereins Bürger für Homberg jetzt Teil des Bürgervereins ist. Der Verein besteht schon seit 2007 und ist Rechtsträger für den Bürgerbus.

Friedhelm Krause aus Hülsa gibt einem Redakteur vom Radiosender HR 4 ein Interview. Foto: Dr. Holger Jansen/nexus Viel Zeit blieb an diesem ersten Tag jedoch nicht, über Entwicklung, Strukturen und Finanzierung des Homberger Bürgerbusses nachzudenken. Auf dem Marktplatz steht schon ein Redakteur vom Radiosender HR 4 und fragt nach Einzelheiten zum Bürgerbus. Dirk Schumacher und Dr. Holger Jansen sprechen kurz die wichtigsten Punkte ins Mikrofon – dann geht es direkt weiter in den Homberger Stadtteil Caßdorf, ein Dorf mit knapp 700 Einwohnern etwa 3 Kilometer westlich der Kernstadt gelegen. Dort wartet Rosemarie Riemenschneider (68) mit ihrer pflegebedürftigen Mutter (90), die auf den Rollator angewiesen ist. Beide wollen zum Optiker in die Kernstadt. Sie profitieren von der Haus-zu-Haus-Bedienung. Denn der Weg zur regulären Bushaltestelle in Caßdorf ist mit dem Rollator nicht zu schaffen. Der Weg vom Homberger Busbahnhof zum Markt ist nicht weit – aber bei eingeschränkter Mobilität beschwerlich.

Nach dem Fahrerwechsel am Mittag um 13 Uhr steht noch eine Besuchsfahrt ins Altenheim, eine Fahrt zum Arzt und eine zum Einkauf auf dem Fahrplan. Mit den Rückfahrten für die Fahrgäste endet gegen 17.30 Uhr der erste Fahrtag. Der Bürgerbus wird wieder am örtlichen Autohaus abgestellt. Für das Ehepaar Krause aus Hülsa wird dieser Tag auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Denn in der Hessenschau wurde zur besten Sendezeit über die erste Fahrt der beiden mit dem neuen Homberger Bürgerbus berichtet.

So geht es weiter: Am 7. November 2016 tagt die gesamte Projektgruppe und berät über die ersten Erfahrungen des Fahrbetriebs. Anregungen im Vorfeld der Sitzung nimmt Dirk Schumacher gerne auf.

Der Bürgerbus Homberg (Efze) auf einen Blick

Wichtiges Ziel des Bürgerbusses Homberg (Efze) ist es, die Mobilität zwischen der Kernstadt und den 20 Stadtteilen zu verbessern. Der Bus fährt immer dienstags und donnerstags zwischen 8.30 und 17.30 Uhr. Eine telefonische Vorbestellung ist immer montags und mittwochs von 15 – 17 Uhr unter Tel. 05681 7713000 möglich. Am Dienstag werden die nördlichen Stadtteile und die Kernstadt bedient, am Donnerstag die südlichen Stadtteile und die Kernstadt. Alle Fahrgäste werden an der Haustür abgeholt, am Ziel ihrer Wahl abgesetzt, später dort wieder aufgenommen und nach Hause gefahren. Als Fahrzeug wird ein Kleinbus mit 9 Sitzen genutzt. Hinter dem Bürgerbus steht als Rechtsträger der Verein Bürger für Homberg e. V. Ein ehrenamtlich tätiges Team aus rund 30 Personen organisiert den Betrieb unter dem Dach des Vereins. Anregungen nimmt Sprecher Dirk Schumacher unter Tel. 05681 4848 oder E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! entgegen. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln der Herbert Quandt-Stiftung. Die Stadt Homberg (Efze) unterstützt das Projekt ebenfalls.

Medienecho vom ersten Fahrtag:
Bericht in der HNA zum Start des Bürgerbusses (externer Link)
Zur ARD-Mediathek Hessenschau vom 20. Oktober 2016
Zur Stadt Homberg (Efze)

Lesen Sie auch:
Zur nexus-Projektseite Bürgebrus Homberg (Efze)

 


Hintergrund: Projektentwicklung Bürgerbus Homberg (Efze) Der Bürgerbus Homberg (Efze) ist ein Kleinbus mit 9 Sitzplätzen. Immer dienstags und donnerstags ist das Fahrzeug in der Kernstadt und den nördlichen bzw. südlichen Stadtteilen unterwegs. Foto: Dr. Holger Jansen/nexus

Die Ausgangslage in Homberg (Efze) reicht bis in den Frühsommer 2015 zurück. Damals wurde die Kreisstadt in Nordhessen in das Programm "Land mit Zukunft" von Landesstiftung "Miteinander in Hessen" und der Herbert Quandt-Stiftung aufgenommen. Schnell stellte sich das Thema Mobilität als zentral heraus. Homberg (Efze) besteht aus der Kernstadt mit rund 8.000 Einwohnern und 20 Stadtteilen mit rund 6.000 Einwohnern. Die Stadtteile haben eher dörflichen Charakter mit zumeist dreistelligen Einwohnerzahlen – eine Versorgung mit Lebensmitteln oder Ärzten gibt es dort nicht.

Und so stellte sich im Herbst 2015 für Projektreferentin Madeleine Buchmann und Dr. Roland Löffler, der als Leiter des Themenfeldes „Gesellschaft und Politik“ der Herbert Quandt-Stiftung für das Projekt "Land mit Zukunft" verantwortlich war, die Frage: Wie könnte eine Lösung für Homberg aussehen? Viele Fahrgäste erinnerten sich noch an den Stadtbus, der im Jahr 2011 eingestellt wurde. Der Bürgerbus, so die Idee der Aktiven im Projekt "Land mit Zukunft", könnte für Homberg (Efze) und die Stadtteile eine Verbesserung bringen.

Ende November 2015 präsentierten Dr. Roland Löffler, Madeleine Buchmann und Dr. Holger Jansen als fachlicher Projektberater des nexus Instituts im Auftrag der Stiftungen in Homberg (Efze) die Idee für den Bürgerbus. Sie stieß direkt auf einstimmige Unterstützung. Ein Abstimmungsgespräch im Dezember 2015 mit dem Homberger Bürgermeister Dr. Nico Ritz sicherte die Kooperation mit der Stadt. Allerdings konnte die Stadt nicht selber als Rechtsträger für den Bürgerbus auftreten. Deshalb wurde diese Frage zunächst vertagt.

Das nächste Ziel war eine öffentliche Informationsveranstaltung in der Homberger Stadthalle. Den Januar 2016 nutzte Madeleine Buchmann für intensive lokale Öffentlichkeitsarbeit. Am 11. Februar 2016 waren rund 50 Gäste in der Stadthalle. Sie wurden von Bürgermeister Dr. Nico Ritz und Dr. Roland Löffler begrüßt. Dr. Holger Jansen und Ralph Hintz, der den Bürgerbus in der Verbandsgemeinde Langenlonsheim (Kreis Bad Kreuznach) betreut, informierten die Gäste. Die erfolgreiche Arbeit in Rheinland-Pfalz stieß auch in Homberg auf großes Interesse. 25 Personen bekundeten spontan ihr Interesse zur weiteren Mitarbeit. "Homberger Bürgerbus soll bald rollen", schrieb die Lokalzeitung am Folgetag. Allerdings lag bis zum ersten Tag noch eine längere Strecke vor den Aktiven.

Einen Planungsworkshop Anfang März 2016 in der alten Homberger Sparkasse leiteten Madeleine Buchmann und Dr. Holger Jansen. Schritt für Schritt wurden die Entscheidungen für die Struktur des Bürgerbusses getroffen. Schnell war klar, dass ein Anrufmodell ohne feste Linienbindung zu Homberg passt. Fahrgäste rufen am Vortag an und werden dann direkt an der Haustür abgeholt. Der Telefondienst kann in der Touristeninformation am Markt arbeiten. An diesem Abend fiel auch die Entscheidung, das Projekt dem schon bestehenden Verein Bürger für Homberg e. V. anzugliedern. So konnte der zusätzliche Aufwand, einen neuen Bürgerbusverein zu gründen, entfallen. Ein Gespräch mit der Nahverkehrsgesellschaft Schwalm-Eder (NSE) führten Madeleine Buchmann und Dr. Holger Jansen in der Kreisverwaltung. Der reguläre Nahverkehr auf der Straße wird von der NSE organisiert. Einwände zum Bürgerbusprojekt gab es von der NSE nicht.

In Zukunft ist der Bürgerbus Homberg (Efze) nicht mehr aus der historischen Stadtkulisse der Kreiststadt in Nordhessen wegzudenken. Foto: Dr. Holger Jansen/nexus Nach und nach organisierte die neue Bürgerbusgruppe die nächsten Schritte. Wer will sich als Fahrer einbringen, wer eher mit den Kunden telefonieren? Welches Fahrzeug soll beschafft werden? Soll das Fahrzeug gekauft, geleast oder ein schon vorhandenes zweitweise genutzt werden? Wie kann die Satzung des Bürgervereins so angepasst werden, dass der Bürgerbus als neue Aufgabe eingegliedert werden kann, aber die Gemeinnützigkeit nicht gefährdet wird? Viele interne Gespräche und E-Mails gingen zwischen der Bürgerbusgruppe in Homberg, Madeleine Buchmann als Projektreferentin der Herbert Quandt-Stiftung und Dr. Holger Jansen als fachlichen Bürgerbusberater hin und her. Schritt für Schritt konnten alle Fragen beantwortet und Lösungen gefunden werden.

Im Sommer 2016 entschied die Landesstiftung "Miteinander in Hessen", dass sie für eine Finanzierung des Bürgerbusses nicht zur Verfügung steht. Die Herbert Quandt-Stiftung übernahm die Projektfinanzierung mit 30.000 Euro aus eigenen Mitteln. Für 24.000 Euro beschaffte die Gruppe das Fahrzeug bei einem örtlichen Autohändler in Homberg. Es folgten Einweisungsfahrten, ein Flyer wurde gedruckt und die gute lokale Öffentlichkeitsarbeit nochmals intensiviert. Diese Arbeit hat sich gelohnt und fand mit dem ersten Fahrtag am 20. Oktober 2016 ein sehr gutes Ergebnis. Acht Fahrgäste am ersten Tag zeigen, dass der Bedarf vorhanden ist und die Verbesserung bei den Menschen in der Homberger Kernstadt und den 20 Stadtteilen ankommt.

 


Die Fahrt vom Optiker in Homberg (Efze) nach Caßdorf ist geschafft. Es freut sich Rosemarie Riemenschneider mit ihrer Mutter (li.) und dem Fahrer Hans-Dieter Wagner (re.) Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Die Fahrt vom Optiker in Homberg (Efze) nach Caßdorf ist geschafft. Es freut sich
Rosemarie Riemenschneider mit ihrer Mutter (li.)
und dem Fahrer Hans-Dieter Wagner (re.)
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Freude bei Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung (li.) und Dr. Nico Ritz, Bürgermeister der Stadt Homberg (re.). Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Freude bei Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung (li.) und
Dr. Nico Ritz, Bürgermeister der Stadt Homberg (re.).
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Der Verein Bürger für Homberg e. V., die Stadt Homberg und die Herbert Quandt-Stiftung setzen das Bürgerbusprojekt gemeinsam um. Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Der Verein Bürger für Homberg e. V., die Stadt Homberg und
die Herbert Quandt-Stiftung setzen das Bürgerbusprojekt gemeinsam um.
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Die erste Fahrt am 20. Oktober 2016 beginnt mit einem Eintrag in das Fahrtenbuch. Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Die erste Fahrt am 20. Oktober 2016 beginnt mit einem Eintrag in das Fahrtenbuch.
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Das Fernsehteam des Hessischen Rundfunks im Gespräch mit Familie Krause in Hülsa. Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Das Fernsehteam des Hessischen Rundfunks im Gespräch mit Familie Krause in Hülsa.
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Homberg (Efze) hat zahlreiche Fachwerkhäuser zu bieten. Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

Homberg (Efze) hat zahlreiche Fachwerkhäuser zu bieten.
Bild: Dr. Holger Jansen/nexus

 

Freude bei Dr. Holger Jansen, Bürgerbusberater aus dem nexus Institut, Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung, Dr. Gerhard Grebe, Vorsitzender des Vereins Bürger für Homberg e. V. und Dr. Nico Ritz, Bürgermeister der Stadt Homberg (v. li. n. re.) Bild: Dittmer/Stadt Homberg

Freude bei Dr. Holger Jansen, Bürgerbusberater aus dem nexus Institut, Dr. Christof Eichert, Vorstand der
Herbert Quandt-Stiftung, Dr. Gerhard Grebe, Vorsitzender des Vereins Bürger für Homberg e. V. und
Dr. Nico Ritz, Bürgermeister der Stadt Homberg (v. li. n. re.)
Bild: Dittmer/Stadt Homberg

 

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